Warum es in Neubrandenburg Foren zur Aufarbeitung gibt? 

Ein Kurzüberblick

Die Foren: „Repression auf dem Neubrandenburger Lindenberg“ hatten sich im Jahr 2020 aus einer Initiative von zivilgesellschaftlichen Organisationen, der Hochschule Neubrandenburg, Engagierten, Stadtverordneten und der Stadtverwaltung Neubrandenburg entwickelt, die als Aktionsbündnis die Tradition der Foren zur Erinnerung an die Opfer der Stasi-UHA und die Aushandlung der Aufarbeitung der MfS-Gewalt und der Zukunft der UHA-Anstalt begründeten. 

24.11.2021: 1. Forum: UHA-Gebäudekomplex – Als Erinnerungsort ungeeignet?

02.11.2022: 2. Forum: Stasi und Repression in Neubrandenburg – Perspektiven des Gedenkens

15.11.2023: 3. Forum Staatssicherheit und Repression – Erinnern + Gedenken im Dialog

6.11.2024: 4. Forum Staatssicherheit und Repression – Gedenken an authentischen Orten

12.11.2025: 5. Forum Staatssicherheit und Repression ­– Nach der Folter: Gesellschaft gestalten.


Die Foren sind zu der Institution in Neubrandenburg geworden, in der zivilgesellschaftlicher Diskurs zum Umgang mit den Hinterlassenschaften der Stasi gepflegt, Expertise eingeholt und Aufarbeitung zum Thema öffentlich praktiziert wird. Alle interessierte Bürger:innen werden seit 2020 zu den Foren öffentlich eingeladen. Die Foren werden durch Engagierte organisiert und aus Fördermitteln finanziert. 

Ohne die Foren gäbe es keinen regelmäßigen öffentlichen Diskurs zu der Aufarbeitung der MfS-Gewalt und dem UHA-Komplex auf dem Lindenberg.

Beim ersten Forum 2021, in der Ev. Kirchgemeinde St. Michael, begann der öffentliche Dialog zu den Möglichkeiten der Einrichtung eines Gedenkortes auf dem Lindenberg. Vorher hatten es lokale Vertreter der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ (VOS e. V.) erreicht, die Wachttürme an den Mauern des benachbarten Munitionslagers unter Denkmal stellen zu lassen. Nun wurde aber der Wunsch nach Begehungen des Haftgebäudes selbst und sein Erhalt gefordert. Der OB Neubrandenburgs a. D., Silvio Witt und der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Gerd Teschke regten daraufhin eine Begehung an. 

In Zusammenarbeit von Stadt und Hochschule Neubrandenburg, dem Landesliegenschaftsamt, der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe, dem Verein Stasi-Haftanstalt Töpferstraße und der VOS wurde die erste öffentliche Besichtigung der UHA im Juni 2022 möglich. Sie zog über 1200 Interessierte an. Darunter war auch der Zeitzeuge Thoralf Maaß. Er wurde zu einem der aktivsten zivilgesellschaftlich Engagierten zu diesem Thema. Seine Geschichte stand beim 2. Forum 2022 im Mittelpunkt und machte betroffen. Daraufhin wurde bei der Podiumsdiskussion durch die Historiker Dr. Christan Halbrock und Dr. Christian Boos ein Moratorium angeregt. Dieses wurde vom Stadtparlament aufgegriffen und bis Dezember 2027 eingefordert – und der mögliche Abriss bis 2027 verhindert. 

2023 wurde das dritte Forum von Evelyn Zupke, der Bundesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, eröffnet und diskutiert, in welcher Form das Areal für Gedenken nutzbar gemacht werden soll.
Beim 3. Forum 2024 stellte die französische Historikerin Dr. Fanny Le Bonhomme von der Universität Poitiers vor, wie das historische J. Cartier-Gefängnis in Rennes über partizipative Prozesse vor dem Abriss gerettet und zu einem Bürgerzentrum entwickelt wurde. Bei der Podiumsdiskussion unterstrich Peter Keup von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG) die Unabweisbarkeit der Einbindung der Opferperspektiven bei der Gestaltung der Erinnerung und verwies auf gute Beispiele in anderen ehem. DDR-Bezirksstädten.
Beim 5. Forum zum Thema "Repression auf dem Lindenberg.  Anerkennung – Erinnerung – Partizipation" hat JProf.`in Dr.`in Dörte Negnal in ihrem Vortrag "Nach der Folter: Gesellschaft gestalten" auf die Notwendigkeit von öffentlichen Debatten zur Aufarbeitung der MfS-Gewalt hingewiesen, die nicht zuletzt aufgrund der Unsichtbarkeit von Folgen von Folter besteht. Der Menschenrechtler und Theologe Heiko Lietz bekräftige in seinem Kommentar die  besonderen Repressalien der Stasi gegenüber politischen Inhaftierten. Auch hob er hervor, dass es seit 1989/90 darum gerungen wird, wie es mit MfS-Orten in Deutschland umzugehen ist, in denen so viel Leid angetan wurde. Herr Lietz wünschte allen politisch Verantwortlichen der Stadt Neubrandenburg und dem Aktionsbündnis viel Erfolg zu den Diskussionsforen. Moderiert wurde das 5. Forum von Dr. Constanze Jaiser, Leiterin der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe. Mithilfe der Methode "World Café" wurden Nutzungskonzepte mit den anwesenden Zeitzeug:innen und Bürger:innen partizipativ erarbeitet und zentrale Entwicklungsperspektiven hinsichtlich einzelner Konzepte festgehalten. 

 Das 5. Forum wurde durch die Bundesstiftung der Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie das Förderprogramm „Gutes tun in MV“ der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern gefördert. 

Fotos vom 5. Forum (Latücht in Neubrandenburg, 12.11.2025)
Fotos: Carsten Büttner


Die offenen Foren um die öffentliche Diskussion des Erinnerns an die MfS-Opfer und um die Zukunft des Gebäudes gibt es seit 2021 in Neubrandenburg. 

Die Foren haben sich zu einer Institution in Neubrandenburg entwickelt, in der Akteure einmal jährlich über die Geschichte und die Aufgaben der Zukunft für die Erinnerungsarbeit zu dem Stasi-Komplex auf dem Neunbrandenburger Lindenberg diskutieren. Es sind öffentliche Publikumsveranstaltungen, über die auch in den Medien berichtet wird (z.B. von  Henning Stallmeyer, in: Nordkurier vom  26.10.2023: https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/zukunft-des-neubrandenburger-stasi-knastes-wird-heiss-diskutiert-2003846). 
Es werden dazu Expert:innen und Zeitzeuginnen für Fachvorträge gewonnen. In der Regel endet ein Forum mit einer offenen Podiumsdiskussion. 

1. Forum über die Stasi-Haftanstalt und das UHA-Gebäudekomplex auf dem Lindenberg


Das erste Forum wurde 2021 durch die RAA-Geschichtserkstatt zeitlupe zusammen mit der Kommunalverwaltung der Stadt Neubrandenburg, Abteilung für Kultur, Bianka Bülow, SB Gedenkarbeit, der Hochschule Neubrandenburg und dem  VOS – Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V angeregt und umgesetzt. Dies wurde notwendig, weil zum Ende der Zwischennutzung als JVA des Landes MV kein Nutzungs- oder Gedenkkonzept für die Zeit danach vorlag oder in Aussicht stand. Der örtliche VOS hatte bis dahin erreicht, die Wachtürme des benachbarten Areals unter Denkmalsschutz stellen zu lassen, nicht aber die UHA Bauten selbst. Nach dem Gerüchte zu Abrissplänen kursierten und Stadtverordnete auf dem Areal Plänen zum Ankauf des Geländes und sozialem Wohnungsbau zustimmen sollten, bot das Forum einen ersten öffentlichen Diskussionsraum zum Gedenken an die Stasi-Willkür und die Zukunft des Gebäudes. Ergebnis war die Vereinbarung, dass mehr Erinnerungsarbeit als bislang nötig ist und die Akteure eine erste öffentliche Begehung für das folgende Jahr organisieren.

Ein weiterer Bericht über das 1. Forum ist auf den Seiten der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe hinterlegt: https://zeitlupe-nb.de/sites/default/files/dateien/Bericht_Podiumsdiskussion_DDR-Stasi-Neubrandenburg_2021_3.pdf 


Das 2. Forum "Stasi und Repression in Neubrandenburg"
 

Am 2. November 2022 fand die zweite öffentliche Diskussion über die Zukunft der Aufarbeitung der MfS-Gewalt statt. Dies wurden gemeinsam von der  Stadt Neubrandenburg, der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe und der Hochschule Neubrandenburg organisiert. Im Mittelpunkt stand die öffentliche Diskussion über Möglichkeiten und Formen eines würdigen Erinnerns an die Opfer der SED-Diktatur. Gemeinsam mit der Neubrandenburger Außenstelle des Stasi-Unterlagen-Archivs, mit Betroffenen und Fachleuten möchten die beteiligten Akteure den Prozess der Aufarbeitung in Neubrandenburg un der Region MSE fortsetzen.
Das Programm des 4. Forums ist auf den Seiten der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe hinterlegt: https://zeitlupe-nb.de/de/meldungen/ii-forum-stasi-und-repression-neubrandenburg

Foto unten: 2. Forum im Latücht, Neubrandenburg. Foto: Carsten Büttner.

Bericht über das 3. Forum „Staatssicherheit und Repression auf dem Neubrandenburger Lindenberg – Erinnern & Gedenken im Dialog“
Latücht, Neubrandenburg, 15.11.2023: 

 

Im Dezember 2022 hat die Stadtvertretung von Neubrandenburg ein Moratorium für die nächsten fünf Jahre in Bezug auf Bauvorhaben auf dem Gelände des ehem. UHA-Komplex am Lindenberg beschlossen, wodurch der geplante Abriss der ehemaligen Stasi-Haftanstalt vorerst ausgesetzt wurde. Die öffentliche Diskussionsrunde widmete sich 2023 der Frage, wie ein breites zivilgesellschaftliches Engagement in Zukunft gefördert werden kann. Dabei stand im Mittelpunkt, wie Politik und Verwaltung diese Entwicklung aktiv unterstützen können. Es wurde auch erörtert, welchen Beitrag der Ort für eine wirkungsvolle Geschichtsarbeit unter Einbeziehung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen leisten könnte. Zudem wurde diskutiert, in welcher Form das Areal für entsprechende Zwecke nutzbar gemacht werden könnte. Das 3. Forum „Staatssicherheit und Repression auf dem Neubrandenburger Lindenberg – Erinnern & Gedenken im Dialog“ führte mit diesen Fragestellungen die Debatte um ein demokratisches Gedenken an Verbrechen und Repressionen des SED-Regimes sowie der Staatssicherheit in Neubrandenburg weiter.

Als Expert:innen nahmen Evelyn Zupke, die Bundesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Burkhard Bley, der Landesbeauftragte MV an der Veranstaltung teil, ebenso wie Dr. Rainer Kirchhefer, Stadtvertreter der Bündnis 90/GRÜNE sowie Michael Köllner, Leiter des Stasi-Unterlagen-Archivs, Außenstelle Neubrandenburg.

Der Bericht über das 3. Forum von  Henning Stallmeyer (Nordkurier,  26.10.2023) ist unter https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/zukunft-des-neubrandenburger-stasi-knastes-wird-heiss-diskutiert-2003846 einzusehen.

Bericht zum 4. Forum Repression auf dem Neubrandenburger Lindenberg
Latücht, Neubrandenburg, 6.11.2024: 

Gedenken an authentischen Orten

Am 6. November 2024 fand, wie bereits in den letzten Jahren im Neubrandenburger Latücht, das vierte Forum zum Umgang mit Repressionen der Stasi auf dem Lindenberg statt.
 
Eingeladen und die Veranstaltung organisiert hatte der Gedenkort Lindenberg e.V. Den fast dreistündigen Abend moderierte Prof.in Dr. Júlia Wéber, die als Hochschullehrerin die Geschichte und Relevanz der MfS-Gewalt am Lindenberg in Lehre und Forschung seit 2020 bearbeit und den Verein Gedenkort Lindenberg als Beiratsmitglied unterstützt.
Der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in MV, Burkhard Bley, beteiligte sich als Gast am Abend. Er lobte das lokale zivilgesellschaftliche und kommunale Engagement und sprach sich für die Fortsetzung der Gedenkarbeit zum Ort aus. Die kommunale Kulturverwaltung der Stadt Neubrandenburg war ebenso einbezogen, wählte für sich die Rolle als „aufmerksam Zuhörende“.
 
Die Konzeption des Abends war anlassbezogen auf Erinnern an und in authentischen Orten - und somit die Zukunft der Gedenkarbeit im noch stehenden Gebäude - fokussiert. Jede der Stasi-UHAs der ehemaligen DDR bot sich als authentischer Ort an. Die meisten wurden nach mehr oder weniger langem Vorlauf zu Erinnerungsorten umgebaut. Dass ähnliche Entwicklungen auch anderen Ortes, ohne Stasi-Geschichte, ablaufen, ist vielen nicht bekannt. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Hochschule in Europa nach ähnlichen Projekten gesucht. In Rennes, Frankreich sind wir fündig geworden. Auch dort ist die kommunale Stadtplanung erst durch Aktivitäten der Zivilgesellschaft von ihren Abrissplänen abgerückt.
 
Es wurde im Frühjahr 2024 zur französischen Historikerin Dr. Fanny Le Bonhomme von der Universität Poitiers Kontakt aufgenommen. Sie war an den Einwicklungen in Neubrandenburg und an dem UHA-Gebäude selbst sehr interessiert und beeindruckt von den Potenzialen eines möglichen, neuen Erinnerungsortes.
 
Es war uns eine große Ehre und Freunde, die französische Forscherin als Gastreferentin zum 4. Forum begrüßen zu dürfen. Sie sprach in ihrem Vortrag über das ehemalige Jacques-Cartier-Gefängnis in Rennes in Frankreich, das 1898 bis 1903 erbaut wurde. Auch dies sollte, nach seiner Aufgabe als Haftanstalt, abgerissen werden. Ehemals am Stadtrand errichtet, liegt es heute in einem Zentrum mit hohen Boden- und Mietpreisen. Dr. Fanny Le Bonhomme berichtete über den partizipativen Prozess, der den Abriss bis auf weiteres verhindert hat. Es entstand eine Art Bürgerzentrum, dank des Engagements von zivilgesellschaftlich Aktiven, die von den Hochschulen unterstützt wurden. Heute ist hier ein spannender und gut besuchter Ort vorhanden, der von Bewohner:innen, Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft, ehem. Insassen und anderen gestaltet wird. Es können dort - auch kontroverse – Erinnerungsprozesse moderiert werden. Die partizipative Aneignung hat den Ort zu sehr unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten geführt, die lebendig weiterentwickelt werden. Damit ist die Stadt Rennes um eine Attraktion reicher geworden und der drohenden Bodenspekulation wurde durch praktische Nutzung eine Schranke gesetzt.
 
In einem weiteren Vortrag stellte Prof. Dr. Kai Brauer, Professor für Gemeinwesenarbeit und Sozialraumorientierung an der Hochschule Neubrandenburg und stellvertretender Vorstandsvorsitzende des Vereins, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven des Geländes am Lindenberg vor. Kritisiert wurde zuerst der im Sommer gezeigte Entwurf eines Bebauungsplans der Stadtverwaltung Neubrandenburg. Vor allem die Größe der im Bebauungsplan eingezeichneten Gebäude wurde hinterfragt. Angegeben wurden mündlich mehrere „Mehrgeschosser für sozialen Wohnungsbau“. Die skizzierten Grundflächen gaben das aber nicht her. Bei genauer Betrachtung der möglichen Ausmaße ergab sich eher eine Ansammlung von Tiny Houses, aber keine ausreichenden Flächen für günstige Mietwohnungen. Als problematisch wurden dann die beiden vorgeschlagenen Standorte für vollkommen neu zu errichtende „Seminar- und Gedenkorte“ außerhalb des UHA Geländes dargestellt. Erinnert wurde dazu auch an das Insistieren von Zeitzeugen und Historikern. Die Verlegung des Erinnerns in ein ehemaliges Stasi-Waffenlager wurde als ethisch unakzeptable Lösung abgewiesen. Schließlich wurde gezeigt, dass die naheliegenden Möglichkeiten für eine ökologisch vertretbare Umnutzung für teils kommunale, privatwirtschaftliche, soziale und zivilgesellschaftliche Nutzungen des soliden Gebäudes von den zuständigen Behörden ignoriert werden.
Ergibt dieser Umgang mit dem UHA-Gebäude nicht eine fatale Kontinuität? Die Stasi wollte damals deren Existenz verschleiern, das Reden drüber stand unter Strafe. Aktuell soll der Abriss des einzigartigen Komplexes umgesetzt werden. Das wäre an sich nicht problematisch. Aber wenn alle Argumente, die gegen einen Abriss sprechen (ökonomische Abwägung, ökologische Aspekte, Besonderheit des Bauwerks, Aspekte der Erinnerung, Ethik) offenbar nicht öffentlich diskutiert werden dürfen und so getan wird, als gäbe es zum Abriss keine Alternative, wird dies immer eine Quelle für Spekulationen über das Stasi-Unwesen hervorbringen, die der demokratischen Verfassung des Landes MV schaden. Ebenso wird der Ruf jedes Wohngebietes ohne eine kritische Diskussion an die Stasivergangenheit gebunden bleiben. Als Zeichen der Abkehr von staatlicher Willkür sollten daher jene Argumente aus der Zivilgesellschaft gehört werden, die eine kostengünstige Umnutzung konzipieren.
 
Nach einer kurzen Pause fand die Podiumsdiskussion statt. Neben Dr. Fanny Le Bonhomme vermittelte Peter Keup, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG) seine Perspektiven auf eine würdige Einbindung der Opferperspektiven. Dr. Constanze Jaiser, Leiterin der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe (in Trägerschaft der RAA Demokratie und Bildung M-V e. V.) hat die bisherigen Bemühungen von Stadt und Zivilgesellschaft gewürdigt und Kritik an die bisher fehlende Einbindung der Opferperspektiven zur konkreten Gestaltung des Erinnerungsortes am Lindenberg geübt. Thoralf Maaß vertrat als Vereinsvorsitzender den Verein Gedenkort Lindenberg e.V. auf dem Podium und bat um mehr Transparenz und konkrete Absprachen unter den beteiligten Akteur:innen. Auch das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion, es entwickelte sich ein konstruktives Gespräch mit vielen guten Vorschlägen für die weitere Aushandlung der Gedenkarbeit und im Umgang mit der MfS-Gewalt im Sinne der Opfer der SED-Diktatur. 
 
Gerahmt wurde die Veranstaltung von einer Ausstellung mit großformatigen Fotografien der ehem. Stasi-Haftanstalt, die der Fotokünstler Carsten Büttner 2024 mit Fokus auf authentische Details der 1987 fertig gestellten Baus erstellt hatte. 
 
Die Zukunft des UHA-Gebäudes bleibt offen. Ein fertiges und diskutables Nutzungskonzept für den Ort liegt immer noch nicht vor. Bei den vom Verein 2024 dreimal durchgeführten Begehungen, die für Multiplikator:innen, Politiker:innen des Landtags und Stadtverordnete, Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung geöffnet war, ist deutlich geworden, dass das Gebäude voll funktionstüchtig ist und für weitere Nutzungszwecke mit geringem Umbauaufwand zur Verfügung stehen würde. Auch Frau Evelyn Zupke, die Bundesbeauftragte für die Opfer des SED-Unrechts nahm am 7. Oktober 2024 an einer Begehung teil. Sie hatte das 3. Forum 2023 eröffnet und ließ Grüße übermitteln. 
 
Wir bedanken uns hiermit nochmal ausdrücklich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den gelungenen Abend! 

Ein weiterer Bericht über das 4. Forum ist seit Ende November 2024 auf den Seiten der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe hinterlegt: https://www.raa-mv.de/aktuelles/4-forum-repression-auf-dem-neubrandenburger-lindenberg/ (Fotos: Carsten Büttner, im Auftrag der RAA - Demokratie und Bildung MV e. V.)